Einer dieser Anstöße: „Wir müssen uns um junge Ärzte frühzeitig kümmern.“ Die Ärzteversorgung im Landkreis sei nämlich nur deshalb gut, weil es in den Städten viele Mediziner gebe. Auf dem Land dagegen zeichneten sich schon Probleme ab. Zwar sei die Kassenärztliche Vereinigung für die Sicherstellung der Versorgung zuständig; doch auch die Kreispolitik stehe in der Verantwortung und müsse „dringend überlegen“, was sie dazu beitragen kann, dass sich junge Ärzte auch außerhalb der Städte niederlassen. Als mögliche Anreize seien „Hilfen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bei der Einrichtung der Praxis, der Suche nach geeigneten Räumen und sogar eine Umsatzgarantie von der KV“ sowie „zinsfreie Kredite und Investitionsförderungen“ denkbar. Wer die Kredite und Investitionshilfen gewähren soll und ob sich die KV vom Landkreis überhaupt in die Pflicht nehmen lässt – das seien noch offene Fragen, sagt Walter. „Aber vielleicht gibt es ja irgendwelche Töpfe, die man anzapfen kann, und vielleicht können wir da vom Osten Deutschlands lernen. Dort gibt es das Problem des Ärztemangels ja schon lange.“
In der Seniorenpolitik fordert Walter ein Umdenken. Sie dürfe sich nicht im „Aufstellen von Bänken und Bau von Pflegeheimen erschöpfen“, sondern müsse sich vielmehr darauf konzentrieren, das große Potenzial der rüstigen Rentner an Wissen und Erfahrung für die ehrenamtliche Arbeit zu aktivieren. Kommunale Seniorenpolitik müsse sich der Strategie des „aktiven Alterns“ verschreiben, weil sie damit gleich mehrfachen Gewinn einfahre: Bürgerschaftliches Engagement von Senioren entlaste die öffentlichen Haushalte, stärke den Zusammenhalt der Gesellschaft und halte nicht zuletzt auch die ehrenamtlich tätigen Menschen selbst länger fit. Geld in diesen Bereich sozialer Infrastruktur zu investieren, etwa in Seniorenservicebüros und Mehrgenerationenhäuser, rechnet sich nach Walters Überzeugung. Diese Einrichtungen könnten sowohl über Möglichkeiten der Unterstützung bei der Bewältigung von Alltagsproblemen beraten als auch die ehrenamtliche Seniorenarbeit organisieren, koordinieren und vermitteln. Die Abhängigkeit von „teurer Pflege“ könnte dadurch zumindest hinausgezögert werden. Für eine zukunftsweisende Seniorenpolitik sei es darum erforderlich, dass der Landkreis einen Seniorenplan erarbeite – mit einem Leitbild, einer Analyse der Problemlagen und Vorschlägen zu deren Lösung.
Das Thema Inklusion hat Walter ebenfalls in seinem Wahlprogramm. „Eltern haben ein Recht darauf, zwischen der Regelschule und der Förderschule wählen zu können“, sagt er ohne Wenn und Aber. Und räumt dann ein, dass die Kreispolitik nur wenig dazu beitragen kann, damit ein Kind mit einer Behinderung an einer Regelschule tatsächlich auch die Förderung erhält, die es braucht. „Die personellen und finanziellen Voraussetzungen für das Gelingen von Inklusion zu schaffen – dafür ist das Land zuständig“, weiß er sehr wohl. Als Landrat könne man in Hannover höchstens darauf drängen, die für den gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung nötigen Lehrer zur Verfügung zu stellen.
Ein weiteres Handlungsfeld für die Kreispolitik glaubt Walter in Grohnde zu erkennen. Zwar sei der genaue Termin für die Abschaltung des Atomkraftwerkes noch nicht bekannt und werde anschließende der Rückbau der Anlage deutlich länger als zehn Jahre dauern. Trotzdem müsse sich „die Region auf einen Strukturwandel einstellen und schon jetzt damit beginnen, über eine Nachnutzung nachzudenken“. Bei allen Chancen, die die erneuerbaren Energien für die heimische Wirtschaft böten, müsse es das Ziel sein, die vielen hoch qualifizierten AKW-Mitarbeiter in der Region zu halten und den Industriestandort auch in Zukunft zu nutzen. Dafür frühzeitig die Weichen zu stellen, sei Aufgabe der Politik in Hameln-Pyrmont. Walter geht davon aus, dass die Gemeinde Emmerthal als AKW-Standort diese Unterstützung gern annimmt – getreu seiner Devise: „Gemeinsam überlegen kann ja nicht schaden.“
Recht konkret sind Walters Vorstellungen zum Thema Standortmarketing. Er fordert nicht nur: „Wir müssen unsere Lebensqualität und unsere Leistungskraft in Hameln-Pyrmont besser darstellen und anderen zeigen, was wir können“, sondern er weiß auch schon wie: nämlich mit einer „Regionalschau“ als Plattform für die „facettenreiche Vielfalt“ des Landkreises. Neben Handel, Gewerbe, Dienstleistungen und Industrie sollen bei dieser Messe auch Vereine, Verbände und Einrichtungen Gelegenheit erhalten, sich darzustellen. Mit einer solchen Regionalschau als einem Mix aus Wirtschaft, Information, Kultur und Erlebnis könnte Hameln-Pyrmont seine Leistungsstärke demonstrieren, sich als Standort interessanter Arbeitsplätze präsentieren und so auch dem Nachwuchs signalisieren: „Hier lässt es sich gut leben und arbeiten.“